Donnerstag 15.11.

18.00 Uhr

Eröffnung

Feierliche Eröffnung  & Lesung mit Karolina Kuszyk und Paulina Schulz

Alfried Krupp Wissenschaftskolleg, Martin-Luther-Straße 14

Eintritt frei

 

Die alljährliche feierliche Eröffnung des Festivals. Ein fulminanter Auftakt für 10 Tage polnischer Kunst, Kultur und Wissenschaft in der Hansestadt.

Die Eröffnung beginnt mit der Verleihung des Förderpreises für deutsch-polnische Zusammenarbeit an der Universität Greifswald.

Mit dem Förderpreis wird die Forschungsarbeit junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ausgezeichnet, die im Rahmen einer deutsch-polnischen Zusammenarbeit entstanden ist oder einen bedeutenden Beitrag zum Kontext der deutsch-polnischen Beziehungen leistet.

„Ehemals deutsch“. Lesung mit Karolina Kuszyk

In ihrem Buch „Poniemieckie“ („Ehemals deutsch“) beschäftigt sich Karolina Kuszyk mit dem deutschen Erbe in den Gebieten West- und Nordpolens, die 1945 Teil des polnischen Staates wurden.. In ihrem Buch erzählt sie über die deutschen Alltagsgegenstände in West- und Nordpolen. Karolina Kuszyk erzählt über die Integration der Gegenstände in den polnischen Alltag. Die galten zunächst als feindlich, dann als praktisch und wurden schließlich zu Familienschätzen.
„Dass ich aus einem andersartigen Teil Polens komme, wurde mir in den 90er-Jahren bewusst, als ich zum Studieren nach Warschau ging. Ich hatte Heimweh. Zunächst dachte ich, dass es normal ist, wenn man aus der Provinz in eine Großstadt geht. Doch stellte sich heraus, dass es etwas anderes ist. Das habe ich erst Jahre später verstanden, als ich 2004 nach Berlin gezogen bin. Und hier habe ich die gleiche Architektur gefunden; die gleichen Straßen, Häuser, das gleiche Granitpflaster. Und ich fühlte mich wieder zu Hause.“

„Mein Buch handelt nicht von den spektakulären Gegenständen, Antiquitäten oder Schätzen, sondern davon, was in der kollektiven Erinnerung als ehemals deutsche Gegenstände bewahrt geblieben ist. Zum Beispiel die berühmten Küchenbehälter Salz, Mehl, Zucker, oder Heiligenbilder mit dem Schutzengel, der Kinder über einen Steg führt. Es sind Geschichten über Einmachgläser, aus denen man nicht essen wollte, weil sie angeblich vergiftet waren – dieses Kapitel in meinem Buch heißt „Werwolf im Trinkkompott“. Es hat alles keinen musealen Wert, aber einen emotionalen.“

 (Auszug aus dem Buch):

„Ich bin eine „Fremde“, die durch die Straßen streift und versucht, die Farbschichten abzukratzen, mit denen deutsche Aufschriften übermalt wurden, die Palimpseste zu entziffern. Denn sooft sie auch übermalt wurden, kamen die Aufschriften wenigstens zum Teil ans Tageslicht und inspirierten mich früher zu den verschiedensten Theorien, die dem Kindesalter so eigen sind. Zum Beispiel jener, dass Deutsch so etwas wie die Sprache der Ahnen war, ein uralter Dialekt, den früher alle Menschen sprachen, ein Code aus der Zeit vor dem Turmbau zu Babel.

Karolina Kuszyk, Jahrgang 1977, ist Schriftstellerin, Journalistin und Literaturübersetzerin. Sie schreibt und publiziert auf Deutsch und auf Polnisch (Zeit Online, Deutschlandradio Kultur, Zadra, Tygiel kultury, Wyspa, Notes Wydawniczy, OderÜbersetzen).

Sie war DAAD-Stipendiatin und translator in residence im Übersetzerhaus Looren in der Schweiz, Preisträgerin im „Poetry slam der slawischen Sprachen“ und im Märchenwettbewerb der Zeitschrift Charaktery. Seit 2014 unterrichtet sie literarische Übersetzung und Literaturkritik an der Europa Universität Viadrina in Frankfurt (Oder).   

 

Im Anschluss an den feierlichen Auftakt und an die Lesung bleibt bei einem Buffet noch Zeit und Raum für Begegnungen, um den Abend in entspannter Atmosphäre bei dem einen oder anderen guten Gespräch ganz im Zeichen des kulturellen Austauschs ausklingen zu lassen.